Und die Moral von der Geschicht…

Schneefüsse
So, jetzt stehe ich da.
5.Januar 2015.
Die Aufgabe: Das Jahr 2014 mit seinen diversen Projekten zusammenfassen.
Wie soll das jetzt auf eine Weise funktionieren, die einen nicht an den siebenundzwanzigsten Jahresrückblick in den Medien denken (und dabei allein aufgrund dessen einpennen) lässt?
Wie ein ganzes Jahr kurz und knapp auf den Punkt bringen?
Und am Ende eines so langen Projektes sollte natürlich am besten noch eine Lehre stehen, eine Art von „Und die Moral von der Geschicht…“.

Bevor ich noch lange  weiter herumrätsel, flüchte ich mich am besten in die altbekannte Form und schaue, was dann passiert.

Fünf Kilometer:
TATAAAA, einen Tusch bitte, Konfettiregen oder vielleicht ein paar Cheerleaderinnen mit Puscheln am Straßenrand?
Ich habe es wirklich geschafft!
Im Jahr 2014 bin ich wirklich, wirklich jeden einzelnen Tag fünf Kilometer gegangen oder gelaufen. An den meisten Tagen auch mehr, denn genau 5 Kilometer zu schaffen war fast unmöglich. An einigen Tagen auch viel mehr.
Die längste freiwillige Strecke am Stück betrug 16,50 Kilometer beim Wandern (Liebe Grüße an die Macherin des goldenen Oktobers), die längste unfreiwillige Strecke 14,30 wutentbrannte Kilometer, als ich aus dem blöden Wald nicht mehr rausfand. Die gefühlt längsten Kilometer waren definitiv die 11,18 Kilometer auf Staten Island, als ich mich bei mehr als 30 Grad verlaufen hatte.
Häufige Frage, wenn jemand von dem Projekt was mitbekommen hatte:
„Und, wann machst du das dann immer?“
Also, so ein wirkliches „Immer“ im Sinne von „Also, montags gehe ich dannunddann, und dienstags laufe ich immer morgens…“ gab es das ganze Jahr lang eigentlich nicht.
Ich wusste halt nur, ich muss jeden Tag gehen, und das habe ich dann irgendwie gemacht.
Mal ganz in der Früh vor der Arbeit, vor Reisen oder vor sonstigen ganztägigen Vorhaben. Mal zwischendrinnen in der Mittagspause.
Ganz oft erst abends im Stockfinstern (Gerade im Winter schließt sich das Tageslicht-Zeitfenster wieder recht früh am Tag…).
Die schnellsten fünf Kilometer lief ich in gut 25 Minuten, die langsamsten hatten meist etwas mit den Hunden zu tun und dauerten mehr als 90 Minuten.
Am liebsten ging ich im Wald, am häufigsten allerdings irgendwo im Ort oder an Straßen lang. Seitdem kenne ich mich aber auch wirklich aus und bin ein wahrer Segen für alle nach dem Weg Fragenden.
An den meisten Tagen ging ich alleine, aber oft hatte ich auch Begleitung:

  • Hunde (Zum Schluss meisten nur noch die Hündin, da bei Herrn Hund immer weiter ausgeprägte Altersschwäche und Demenz)
  • Kinder (Zuerst oft mit unpädagogischen Mitteln gezwungen: „Also, wenn Ihr noch Xbox spielen möchtet…“, dann aber tatsächlich auch freiwillig. Manchmal.)
  • Schwangere bzw. Mütter mit Babies (In dieser natürlichen Reihenfolge, wobei die Schwangeren bei weitem ruhiger waren als dann die Töchter, denen sich meist der Spaß am Spazierengehen nicht gleich erschloss…)
  • Arbeitskollegin (Tatsächlich nur eine einzige Freilwillige, die dann auch über ein halbes Jahr brauchte, bis sie die ersten zwei Spaziergänge soweit verarbeitet hatte, dass sie sich am 31.12. noch einmal ein Herz fasste.)
  • Freundinnen (Viel zu selten, teils aus geografischen Gründen, teils den übervollen Terminkalendern der Damen geschuldet. Siehe auch „Schwangere“)
  • Ehemann (Zwei Mal oder drei Mal mit dem Rad neben mir her gefahren. Kann aber wegen eines kaputten Nerves auch keine weiten Strecken gehen, deshalb ist er ausnahmsweise entschuldigt. Und er hat mich gehen lassen. Auch keine Selbstverständlichkeit.)

Und wie viele Kilometer waren es nun?

Vor Beginn des Projektes hatte ich ja ausgerechnet, dass ich 1825 Kilometer würde gehen müssen.
Tatsächlich unterwegs war ich 2118,65 Kilometer.
Wenn ich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 11 Minuten pro Kilometer annehme (Laufen und Schneckentempo mal außen vor gelassen), dann bin ich in den 365 Tagen durchschnittlich 388,41 Stunden, also insgesamt mehr als 16 Tage unterwegs gewesen. Krass.

Fünfzehn Minuten:
Bei dem ganzen Geprahle vonwegen Mission erfüllt und Projekt geschafft würde ich die Meditation gerne unter den Tisch fallen lassen. Aber auch das lässt sich bestimmt irgendwie positiv darstellen…
Also, zu Beginn des Projektes hatte ich auch bei der Meditation den Taschenrechner gezückt und 91,25 Stunden Meditationszeit als Projektziel ermittelt.
(Jaja, und tägliche Meditation stand auch irgendwie im Raum…)
Was soll ich sagen, bis zum 11. Juli war alles in Ordnung.
Dann habe ich einmal nicht meditiert. Und irgendwann brachen alle Dämme.
Letztendlich habe ich trotzdem von den 365 Tagen an 278 Tagen mindestens fünfzehn Minuten meditiert.
Insgesamt waren das 74,35 Stunden. Also müsste ich noch knapp 17 Stunden nachsitzen.
Warum war die Meditation im Vergleich zum Gehen so schwierig, obwohl nur 15 Minuten täglich?
Ich denke, beim Gehen war meistens nur das Losgehen schwierig, dann lief es wie von selbst.
Beim Meditieren war an den meisten Tagen die ganze Zeit schwierig.
Und es war tatsächlich so: Einmal einen Tag ausgelassen – und es machte sich ein „Jetzt-ist-auch-schon-wurscht“-Gefühl breit.
So nach dem Motto. „Jetzt hast Du da schon versagt, dann kannst es auch ganz sein lassen.“
Total bescheuert und unlogisch, aber so war es.

Yoga:
Ein einziges Auf und Ab…
Wochenweise habe ich brav geübt, dann war mir wieder nichts so fern wie eine regelmäßige Praxis.
Ich würde aber so gerne erfahren, ob – und wenn ja, wie – sich eine regelmäßige Yogapraxis auf mein Leben auswirken würde.
Deshalb wird 2015 mein Yoga-Jahr werden.
Der Plan ist der gleiche wie Ende November für den Dezember angekündigt (und im Dezember nicht geschafft…):
Sechs Mal pro Woche Yoga üben. Also ein Ruhetag pro Woche.
Außerdem wird nicht geübt an Voll- und Neumondtagen und während Ladies‘ Holiday.
An den yogafreien Tagen werde ich meditieren.

2015 werde ich also probieren, wie es ist, wenn „Yoga mein Leben ruiniert“, wie es Carmen einmal viel besser dargestellt hat, als ich das könnte.

Darüber werde ich auch wieder schreiben. Wie, weiß ich noch nicht genau, deshalb kann das noch ein bisschen dauern. Ich halte Euch darüber natürlich auf dem Laufenden.

Minimalismus:
Was brauche ich wirklich?
Was ist nur Ballast?
Was macht mich glücklich?
Können Dinge überhaupt glücklich machen?
Was will ich in meinem Leben haben und was nicht?

Diese und noch einige Fragen mehr stelle ich mir seit ein paar Monaten, und die Beantwortung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.
Bereits im Juli habe ich kräftig ausgemistet, im Dezember sollten (Ihr bemerkt den Konjunktiv…?) noch einmal 465 überflüssige Dinge ausgemistet werden.
Aufgehört habe ich bei 260 Gegenständen, aber eher aus Zeitmangel als aus Mangel an überflüssigen Dingen.
Ausmisten benötigt auch Zeit, und die ging mir im Dezember dann irgendwann aus.
Aber mein Ziel, nur noch Dinge zu besitzen, die mich glücklich machen, ist noch nicht erreicht.
Ich finde es wirklich beängstigend, wie viel Zeug ich schon losgeworden bin, und wie viel Überflüssiges sich dennoch noch in meinem Besitz befindet.
Wo kommt das ganze Zeug nur her?!?
Minimalismus ist für mich noch ein langer Weg, aber auf alle Fälle einer, den ich weiter gehen werde.

2118,65 Kilometer und 74,35 Stunden

Und die Moral von der Geschicht?
Es ist echt, echt toll, sich etwas vorzunehmen, und das Vorhaben auch durchzuziehen.
Ich bin da wirklich stolz auf mich.
(Wobei ich es auf der anderen Seite wieder klein mache, so nach dem Motto „Najaaa, so weit sind 5 Kilometer ja auch wieder nicht, und es war ja auch nur ein Jahr…“)
Ich bin sehr dankbar für alle Menschen, die mich dabei unterstützt haben.
Dazu gehört an erster Stelle meine Familie, die mich in diesem Jahr wahrscheinlich sehr oft als nur als Zuklappen der Haustür wahrgenommen hat.
Dazu gehört aber auch Jede und Jeder Einzelne von Euch virtuellen Mitgehern. Ohne Euch wäre das Projekt wahrscheinlich schon im Februar vorbei gewesen.
Vielen herzlichen Dank!
Vom Projekt wurde das Gehen mittlerweile zur Gewohnheit, so dass ich jetzt einfach so weitergehen werde.
(Zwei Jahre lang jeden Tag gegangen hört sich dann doch auch viel besser an als „nur“ ein Jahr, oder?)
Wie es mit Yoga werden wird, sehen wir dann. Stand heute habe ich es durchgezogen. (Fehlen ja nur noch 360 Tage… 😉 )
Ich hoffe, Ihr bleibt dran.

Abflug

 

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